Von Magnus von Kageneck, Kellermeister (wer das ist) · Stand: September 2026
In einer vollen, verschlossenen Flasche ist Wein am besten vor Luft geschützt; Hefen, Bakterien und Schimmelsporen kommen nicht mehr hinein. Die Kehrseite: Was in der Flasche schiefgeht, korrigierst du kaum noch. Abfüllen beginnt deshalb mit Prüfen, nicht mit dem Schlauch.
Fünf Fragen, bevor der erste Tropfen fließt
Lautet eine Antwort Nein, wartest du.
- Ist die Gärung zu Ende? Die Nullmarke der Oechslewaage bleibt über einige Tage untergetaucht, ein Restzucker-Test findet keinen oder kaum Zucker (Messen statt raten). Steht die Waage deutlich über null, steckt die Gärung fest; dann hilft der Notfallplan, nicht die Flasche.
- Ist der Wein klar, und bleibt er es? Setzt er neuen Bodensatz ab, schönst oder filtrierst du zuerst (mehr zum Klären).
- Ist er geschützt? Vor dem Abfüllen sollte er 30 bis 40 mg/l freie schweflige Säure enthalten, gemessen mit dem Messset für freie schweflige Säure. Dessen Beschreibung nennt niedrigere Zielwerte; ich rechne für jeden Wein mit 30 bis 40 mg/l. Bei Rotwein ziehst du vom abgelesenen Wert 10 bis 15 mg/l ab. Ohne Messung gibst du höchstens 0,5 g Kaliumdisulfit auf 10 Liter (Schwefeln ohne Angst).
- Bleibt ein süßer Wein ruhig? Unter 15 % vol bekommt ein restsüßer oder nachgesüßter Wein vorher Kaliumsorbat: 2,6 g auf 10 Liter, auf der Feinwaage abgewogen, in den klaren, geschwefelten Wein. Das ist Höchst- und zugleich Arbeitsmenge, nimm nicht deutlich weniger. Ab 15 % vol ohne Sorbat muss er die Gärprobe bestehen (Gärung stoppen und süßen).
- Liegt genug bereit? 10 Liter Wein füllen etwa 13 Flaschen zu 0,75 Litern.
Für die Gärprobe füllst du eine Kunststoffflasche mit dem Wein, verschließt sie und stellst sie ein bis zwei Wochen bei 20 bis 25 °C in eine Schüssel; der Ballon bleibt so lange unter dem Gärspund. Wird die Flasche prall und hart, arbeitet die Hefe noch; in Glas flöge dir der Korken heraus, oder die Flasche platzte. Dann lässt du den Wein durchgären, klärst ihn und süßt neu, diesmal mit Kaliumsorbat.
Wer bewusst in der Flasche nachgären lässt, macht Schaumwein. Das geht nur in druckfesten Sektflaschen mit Stopfen und Drahtbügel und mit höchstens 24 g Zucker je Liter, alles eingerechnet.
Flaschen: sauber genügt, keimarm geht auch
Braunes Glas hält Licht am besten ab, grünes weniger, klares kaum; unter Licht entsteht mit der Zeit ein Fehlton. Wein in klarem Glas gehört in den Karton oder den dunklen Keller.
Steril muss eine Flasche nicht sein, denn Schlauch, Korken und Wein sind es auch nicht; mechanisch sauber muss sie sein. Gebrauchte Flaschen weichst du etwa einen Tag ein, in 5 bis 10 g Reinigungskonzentrat auf 1 Liter Wasser, höchstens etwa 50 °C warm. Bürste sie innen aus, spül nach, bis nichts mehr schäumt, und lass sie kopfüber abtropfen. Was muffig oder nach Essig riecht oder an der Mündung Sprünge hat, sortierst du aus. Die Lauge greift Haut und Augen an: Trag Handschuhe und Schutzbrille. Mehr als 30 °C Unterschied zwischen Glas und Wasser können eine Flasche sprengen.
Keimarm mit Schwefellösung
Für einen geschwefelten Wein reicht die saubere Flasche in der Regel. Willst du mehr, spülst du kurz vor dem Füllen mit 40 g Kaliumdisulfit auf 1 Liter kaltes Wasser. Das Salz gibt etwa die Hälfte seines Gewichts als Schwefeldioxid (SO₂) ab, hier also 20 g je Liter. Das ist doppelt so stark wie die „2-prozentige Lösung“ mit 1 g in 50 ml, die manche Packung nennt; deren 2 % meinen das Salz.
Säure kommt nicht hinein: Sie treibt zusätzlich Schwefeldioxid aus, das in Augen und Atemwegen brennt.
- Setz die Lösung bei offenem Fenster in einem Gefäß an, in dem nie Säure war. Trag Schutzbrille und Handschuhe.
- Gieß 20 bis 30 ml in eine Flasche, halt die Mündung mit dem Daumen im Handschuh zu und schwenk, bis die Innenwand benetzt ist. Wende dabei das Gesicht ab.
- Gieß die Portion in die nächste Flasche weiter; sie reicht für zwei. Lass die Flaschen kopfüber gut abtropfen, denn was an Tropfen bleibt, kommt als Schwefel in den Wein. Füll sie frühestens nach 15 Minuten, spätestens nach 3 Stunden.
- Verschließ den Rest in einem beschrifteten Gefäß, nie in einer Getränkeflasche, und gieß ihn nach dem Abfüllen mit viel Wasser weg.
Kaliumdisulfit trägt das Signalwort „Gefahr“: Es verursacht schwere Augenschäden und entwickelt bei Berührung mit Säure giftige Gase. Wer Asthma hat, überlässt diesen Handgriff anderen. Lagere das Pulver getrennt vom Hefenährsalz, die beiden weißen Pulver werden leicht verwechselt.
Füllen ohne Luft und Trub
Stell den Ballon am Vortag erhöht auf, damit sich aufgewirbelter Trub setzt; die Flaschen kommen tiefer. Beim Heber-Set führt ein Steigrohr durch einen Stopfen mit zwei Bohrungen und endet einige Zentimeter über dem Trub. Ein kleiner Hahn kurz vor dem Schlauchende sperrt beim Flaschenwechsel ab.
In der zweiten Bohrung sitzt ein trockener Aufsatz mit Filterwatte. Zum Anlaufen öffnest du den Hahn und bläst behutsam durch den Aufsatz, so kommt keine ungefilterte Atemluft an den Wein; danach fließt er über das Gefälle von allein. Ein Gärspund mit Sperrflüssigkeit taugt dafür nicht, sonst drückst du die Flüssigkeit in den Wein. Mit dem Mund am Schlauch anzusaugen ist unhygienisch; ein Weinheber mit Einblasfunktion startet den Fluss ohne Ansaugen.
- Führ den Schlauch fast bis zum Flaschenboden. Der Wein steigt von unten auf und schiebt die Luft vor sich her, statt sie einzurühren.
- Reicht der Schlauch nicht so tief, halte die Flasche schräg und lass den Wein an der Innenwand hinablaufen.
- Zieh den Schlauch mit dem steigenden Wein langsam hoch und schließ den Hahn bei der richtigen Füllhöhe.
Kopfraum: 1 bis 2 cm Luft unter dem Korken
Wein dehnt sich beim Erwärmen aus. Ein Tischwein mit 12 % vol, bei 10 °C abgefüllt, nimmt bis 25 °C in der 0,75-Liter-Flasche um 2,6 ml zu. Ein Zentimeter Flaschenhals mit 20 mm Innenweite fasst etwa 3,1 ml:
3,14 × 1 cm² × 1 cm = 3,1 ml
Randvoll unter Kronkorken oder Schraubkappe kann die Flasche platzen; einen Naturkorken schiebt der Wein langsam heraus, und die Flasche läuft aus. Lass deshalb 1 bis 2 cm zwischen Korkunterkante und Wein, wenn du bei 15 bis 20 °C füllst. Kellerkalten Wein stellst du am Vortag in einen wärmeren Raum.
Ein Korken, bündig mit dem Glasrand außen neben den Hals gehalten, zeigt dir die Füllhöhe: 1 bis 2 cm unter seiner Unterkante.
Korken setzen: 23 mm in eine 18-mm-Mündung
Die übliche Weinflasche ist an der Öffnung etwa 18 mm weit und innen 20 bis 21 mm. Korken für sie müssen deshalb mindestens 23 mm dick sein, sonst kriecht Wein am Korken entlang und Luft kommt nach. Ein Verkorker presst den Korken auf rund 16 mm zusammen und schiebt ihn in einem Zug in den Hals, wo er sich wieder ausdehnt. Korken, Verkorker und Mündung müssen zusammenpassen.
Kunststoff-Griffstopfen lassen mehr Sauerstoff durch und taugen nur für Flaschen, die bald geöffnet werden. Wie du Korken vorbereitest, steht auf ihrer Packung, und die hat Vorrang. Beschichtete Korken setzt du trocken oder kurz befeuchtet, denn langes Wässern kann Keime eintragen. Nur harte, unbeschichtete Naturkorken weichst du 10 bis 20 Stunden in Wasser von höchstens 30 °C ein; heißes Wasser macht sie spröde. Keimarm werden Korken durch kurzes Eintauchen in die Schwefellösung.
- Stell die Flasche rutschfest auf und setz den Verkorker mit dem Korken gerade auf die Mündung.
- Drück beide Hebel zügig und gleichmäßig bis zum Anschlag. So entweicht die Luft aus dem Hals, bevor sich der Korken ausdehnt.
- Der Korken schließt bündig mit dem Glasrand ab. Sitzt er schief, nimm einen neuen.
- Lass die Flasche mindestens fünf Minuten aufrecht stehen, dann leg sie hin.
Achtung: Drückst du die Hebel zu langsam, bleibt Luft im Hals eingeschlossen und presst auf den Wein. Dann federt der Korken heraus, oder die Flasche platzt. Nimm nur Flaschen ohne Sprünge und trag eine Schutzbrille.
Kapsel drauf, Flasche hinlegen
Die Korkmotte legt ihre Eier an Korken; die Raupen fressen Gänge hinein, und der Korken wird undicht. Zieh darum gleich nach dem Verkorken eine eng anliegende, ungelochte Kapsel über den Hals. Eine Aluminiumkapsel setzt du lose auf, ein darübergezogener Spiralring legt sie fest um die Mündung.
Flaschen mit Naturkorken lagerst du liegend, denn ein feuchter Korken hält Luft besser ab als ein ausgetrockneter. Flaschen mit Kunststoffstopfen stehen. Der Raum sollte kühl, dunkel, gleichmäßig temperiert und frostfrei sein (den Keller einwintern). Riecht er nach Farbe oder Heizöl, nimmt der Korken das an und gibt es an den Wein weiter.
Was auf die Flasche gehört
Schreib auf jede Flasche, was darin ist, wann du sie gefüllt hast und unter welcher Nummer der Ansatz im Kellerbuch steht. Verlässt eine Flasche das Haus, trägt Obstwein den Namen seiner Frucht, also Apfelwein statt Wein, und das Etikett nennt Alkoholgehalt und „enthält Sulfite“.
Sicherheitshinweis: Kaliumdisulfit und Kaliumsorbat sind Gefahrstoffe. Kaliumsorbat trägt das Signalwort „Achtung“ und verursacht schwere Augenreizung; trag beim Abwiegen Schutzbrille und Handschuhe. Maßgeblich ist das Etikett des gelieferten Produkts, auch beim Reinigungskonzentrat.
Magnus von Kageneck ist die Kellermeister-Figur des Maischewerks. Die Texte dieser Reihe entstehen mit Unterstützung künstlicher Intelligenz und werden vor der Veröffentlichung fachlich geprüft.
Passend dazu im Shop: Wein machen und Kitzinger Original